Nationalpark – Chance für Augustdorf

Vorzeitiger Abzug der Briten facht die Diskussion an

2013 Die Debatte um einen Nationalpark in Ostwestfalen-Lippe wird seit 1990 intensiv geführt. Die SPD in Lippe hat diese Idee mit angestoßen und seitdem konstruktiv begleitet. Ausgangspunkt für die Nationalpark-Planungen war stets das Gebiet des Truppenübungsplatzes Senne. Der Naturraum der Senne ist unumstritten der wertvollste Lebensraum und das artenreichste Naturreservat von Nordrhein-Westfalen. Aus diesem Grund fasste der Landtag bereits 1991 einstimmig einen Beschluss, das Gebiet der Senne nach Beendigung der militärischen Nutzung als Nationalpark auszuweisen.

Die Debatte der vergangenen Monate hat gezeigt, dass die Nationalparkplanung umstritten ist. Von Klientelgruppen geförderte und unterstützte Bürgerinitiativen tragen mit Schreckensszenarien Verunsicherung in die Bevölkerung. An zwei Beispielen zeigt sich die absurde Ablehnungsstrategie, dem angeblichen Holzmangel und der Gefährdung des Bundeswehrstandortes mit ihren wirtschaftlichen Folgen.

Die Behauptung: Mit einem Nationalpark Lippe werden jährlich 80.000 Festmeter Holz vom Markt genommen. Dieses Holz fehlt den regionalen Holzverarbeitungsbetrieben. Holzmangel führt dazu, dass die Möbelindustrie abwandert und viele tausend Arbeitsplätze gefährdet werden.

Richtig ist: Das vom Kreis Lippe in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsgutachten stellt jedoch fest, dass durch den geplanten Umbau der Nadelholzbestände in naturnahen Laubwald für 20-30 Jahre mehr Holz anfällt als derzeit geschlagen wird. Wird der Nationalpark Lippe errichtet, dann beträfe das 0,05 Prozent des Waldes in Deutschland, von dem auch weiterhin mindestens 95 Prozent bewirtschaftet würden. Außerdem hat der Landesbetrieb Wald unter der schwarz-gelben Landesregierung einen Liefervertrag mit der Österreichischen Firma Klausner abgeschlossen, durch den der örtlichen Holzindustrie bis 2014 insgesamt 4,425 Mio Festmeter Fichtenstammholz entzogen werden, was aber offenbar verkraftet werden kann und klaglos von der Holzindustrie hingenommen wurde.

Die Behauptung: Durch eine Ausweisung der Senne als Nationalpark besteht eine Gefährdung des Bundeswehrstandortes Augustdorf.

Richtig ist: Die bisherige Nutzung der Senne als Übungsplatz ist den Briten vorbehalten. Der Bundeswehr wird lediglich ein bestimmtes Zeitkontingent kostenpflichtig zugeteilt. Der Umfang ist vom Übungsbedarf der Briten abhängig und kann sich auf wenige Tage im Jahr beschränken. Eine Gefährdung wurde dadurch bislang aber nicht gesehen.

Die Behauptung: Ein Nationalpark wird Arbeitsplätze vernichten und nur wenig neue schaffen.

Richtig ist: Durch den Abzug des britischen Militärs werden Arbeitsplätze entfallen, nicht durch den Nationalpark – dieser schafft im Gegenteil neue Arbeitsplätze. Das zeigen die Erfahrungen aus anderen Nationalparken in Deutschland.

Für Augustdorf könnten sich weitere Chancen bieten, wenn diese Ratsmehrheit sich nicht auf ihre Ich-will-nicht-Mentalität zurückziehen würde. Als Tor zum Nationalpark wären Gebäude und Einrichtungen vorhanden. Gleichzeitig ist auch in Hinblick auf vorhandene Infrastruktur (GNS, Wohnmobilstellplätze, Rühlmannstätte) die gleichzeitige Einrichtung eines „Kompetenzzentrums Wandern“ denkbar. Das würde in Augustdorf zu einem Zuwachs im Tourismus führen, zu mehr Umsatz im Einzelhandel, mehr Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen.

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